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09.10.2009 | 18:02

Drehort - Die Rückkehr von «Aschenbrödel» ins Schloss Moritzburg

Drehort - Die Rückkehr von «Aschenbrödel» ins Schloss Moritzburg
Drehort - Die Rückkehr von «Aschenbrödel»...

Der einstige Drehort plant nach Sonderausstellung ein Dauer-Kabinett Im Winter 1972/73 diente Schloss Moritzburg nahe Dresden als Kulisse für den deutsch-tschechischen Film «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel». Damals ahnte keiner, dass ihm einst Erfolg in mehr als 50 Ländern beschieden sein würde - und 37 Jahre später sogar eine eigene Ausstellung gewidmet wird.

Ab Samstag lädt das Schloss für drei Monate in die Sonderschau - und will künftig dauerhaft an «Aschenbrödel» erinnern.

«Eigentlich waren es unsere Gäste, die uns darauf gestoßen haben», erinnert sich Museumschefin Ingrid Möbius am Freitag. Ausstellungskuratorin Margitta Coban-Hensel pflichtet bei, dass jeden Tag Besucher die Treppe suchten, auf der Aschenbrödel im Film aus dem Ballsaal flüchtete - und einen Schuh verlor. Mit Hilfe dieses Schuhs gelang es dem Prinzen im Film schließlich, Aschenbrödel zu finden.

In der Ausstellung sind aus der Produktion des DDR-Filmstudios DEFA

und des Prager Pendants Barrandov originale Kostüme und Ausstattungsgegenstände zu sehen. Techniker haben in aufwendiger Fleißarbeit nicht mehr existierende Kulissen nachgebaut, zudem haben Mitglieder eines «Aschenbrödel»-Fanclubs dem Museum Leihgaben überlassen.

Zu erfahren ist, dass Regisseur Vaclav Vorlicek eigentlich einen Sommerfilm zum Märchen der tschechischen Autorin Bozena Nemcová (1820-1862) drehen wollte. Für die Renaissance-Kostüme habe aber der Prager Etat nicht gereicht, weshalb man bei der befreundeten DEFA angefragt habe - die wiederum nur im Winter noch Dreh-Kapazitäten hatte. Beim Dreh in Moritzburg habe es dann im Unterschied zum frostigen Dreh im Böhmerwald zu wenig Schnee gegeben, weshalb sich das Team mit Kunstschnee behalf - sehr zum Ärger der damaligen Schlösserverwaltung, da sich die Schnipsel anschließend partout nicht wegkehren ließen.

Coban-Hensel kennt keine andere vergleichbare Ausstellung nur über einen Film. Drei Jahre Vorbereitungszeit liegen hinter ihr - in denen sie unter anderem erfuhr, dass der Film selbst in Norwegen äußerst populär ist - obwohl dort nur ein einziger Sprecher alle Stimmen synchronisiert habe.

Sachsens Schlösserland-Chef Christian Striefler findet es bemerkenswert, dass das Projekt Aschenbrödel «damals wie heute eine deutsch-tschechische Koproduktion» sei. So können in der Schau mit Hilfe eines tschechischen Filmhistorikers auch die Lebensläufe der tschechischen Schauspieler gezeigt werden. Im Nachbarland ist der Film vor Jahren zu einem der beliebtesten überhaupt gekürt worden - und da die durchgehend zweisprachig gestaltete Ausstellung auch dort beworben wird, wird in Moritzburg demnächst wohl häufiger Tschechisch zu hören sein.

Das Schloss richtet sich jedenfalls nach Angaben von Möbius auf einen Besucher-Ansturm ein. Schon jetzt sind einige Rahmenveranstaltungen wie Familienführungen und der zum Abschluss am 9. Januar geplante «Aschenbrödel»-Kostümball ausverkauft. Möbius kündigte an, dass auch nach der Sonderschau im Schloss dauerhaft an Aschenbrödel erinnert werden soll - mit einem neuen, festen «Aschenbrödel»-Kabinett. Termin und Details seien indes noch unklar.

Zur Finanzierung werden die Museumsbesucher nun um Spenden gebeten. Manche haben das verfrüht getan und Geld in den überdimensionierten Schuh am Schlosseingang geworfen, der seit Wochen für die «Aschenbrödel»-Schau wirbt. Es sei «keine normale Ausstellung», sagt Museumschefin Möbius und fügt hinzu: «Wir haben als Märchenschloss ein Publikum zu bedienen.» Gut möglich, dass es künftig weit mehr als die bisher jährlich gut 160 000 Besucher auf Schloss Moritzburg geben wird.

(schloss-moritzburg.de; dreihaselnuessefueraschenbroedel.de)

Moritzburg (ddp)






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