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Fussball
18.04.2009 | 13:07

(Feature) Zoff um Beerdigungsangebot für Eintracht-Fans - Fußballverein lehnt Geschäftsmodell einer Bestatterin ab --Von ddp-Korrespondentin Kathrin Hedtke-- (Mit Bildern)

Frankfurt/Main (ddp-hes) Aus dem Regal holt Bestatterin Heike Rath eine Urne in Form eines schwarz-roten Fußballs und hält sie stolz in die Luft Das Modell habe sie extra in den Farben von Eintracht Frankfurt anfertigen lassen.

Frankfurt/Main (ddp-hes). Aus dem Regal holt Bestatterin Heike Rath eine Urne in Form eines schwarz-roten Fußballs und hält sie stolz in die Luft. Das Modell habe sie extra in den Farben von Eintracht Frankfurt anfertigen lassen. «Damit habe ich viel Mühe gehabt», sagt die Geschäftsführerin des Bestattungsinstituts Schwind in Frankfurt am Main. Sie schlägt eine dicke Ledermappe auf, zeigt auf ein Foto in Klarsichthülle: Neben einem schwarz-roten Kiefernsarg ist ein Fanschal drapiert, davor liegen Rosenblätter. So könnte ihrer Ansicht nach die ideale Beerdigung für einen ech

ten Eintracht-Fan aussehen, doch der Verein lehnt das Geschäftsmodell ab.

Das kann die Bestatterin nicht verstehen. «Jeder Mensch muss irgendwann beerdigt werden», betont Rath. Sie verwirkliche die Wünsche ihrer Kunden: Die einen wollten, dass alle Trauergäste weiße Kleidung tragen, andere hätten spezielle Blumen- oder Musikwünsche. Es gebe auch das Angebot, die Asche in den Weltraum zu schießen oder per Helikopter über den Bergen zu verteilen. «Man muss sich der Zeit stellen», sagt sie. Für einen wirklichen Fußballfan sei es vielleicht wichtig, seinem Verein bis in den Tod treu zu sein.

Auf die Idee kam Rath, als sie bei einem Vortrag zum Thema Fußball und Kirche zum ersten Mal von sogenannten Fan-Bestattungen hörte. Sie habe daraufhin Kontakt mit einem Bestatter im Ruhrgebiet aufgenommen, der Beerdigungen für Fans von Schalke 04 und Borussia Dortmund organisiert. Er habe ihr erzählt, dass die Fans «so glücklich» seien. «Das ist wirklich eine gute Sache», sagt die Geschäftsführerin. Gemeinsam mit einer Floristin überlegte sie sich die passende Dekoration. Das Ergebnis: aus Moos geformte Fußballschuhe und Rollrasen mit aufgemaltem Fußballfeld statt eines Blumenbouquets auf dem Sarg.

Um ihr Angebot bekanntzumachen, schrieb Rath die Eintracht-Fanclubs in der Region an und schaltete eine Annonce in einer Fußballbeilage. Der Text beginnt mit den Worten: «Der letzte Weg: Ein wahres Fan-Leben hört mit dem Tod nicht auf.» Die Reaktionen seien positiv gewesen, berichtet die Bestatterin. Etwa 15 bis 20 Leute hätten bereits Interesse bekundet.

Ihr Ziel ist eine Anzeige in der Stadionzeitung von Eintracht Frankfurt. «Das ist das Magazin, das die Leute lesen», betont Rath. Also habe sie freundlich beim Verein angefragt - und eine Absage kassiert. Dabei wurde ihr außerdem mitgeteilt, dass sie ohne Erlaubnis weder Logo noch Namen des Erstligisten für kommerzielle Zwecke nutzen dürfe. Die Bestatterin findet das «ungerecht». Der Verein verwehre ihr die Werbung für ein Produkt, das jeder nutzen müsse. Die Fans hätten ein Anrecht darauf, von dem Angebot zu erfahren.

«Die Eintracht tabuisiert das Thema», findet Rath. Bei anderen Vereinen sei das anders: So gebe es nicht nur spezielle Beerdigungen für Fans von Schalke und Borussia, sondern der Hamburger SV habe sogar einen eigenen Friedhof. So leicht will sich die Bestatterin nicht geschlagen geben und noch einmal das Gespräch suchen.

Doch bei der Eintracht reagiert man genervt auf das Thema. «Der Tod ist eine private Sache», betont Vereinssprecher Michael Feick. Jedem sei selbst überlassen, ob er seinen Sarg schwarz-rot anmale oder eine Fahne mit ins Grab nehme. Der Verein werde das aber nicht offiziell unterstützen. «Wir möchten nicht, dass damit ein Geschäft gemacht wird», sagt Feick. Der Fußballclub lehne es ab, dass mit der Eintracht und dem Tod geworben werde. Dafür sei das Thema zu ernst.

Ein Beerdigungsinstitut aus Dortmund hat das Problem anders gelöst. Er habe bei den Vereinen nicht offiziell nachgefragt, da er kein Logo verwende, sagt Bestatter Bernd-Josef Kremer. Auch sei die Formulierung «Fan-Bestattungen» bewusst neutral gehalten. Durch die Wahl der Farben - schwarz-gelb für Borussia oder blau-weiß für Schalke - könnten sich die Fans klar mit ihrem Verein identifizieren. Zudem verzichtet der Bestatter komplett auf Werbung. Sein Angebot habe sich mit der Zeit rumgesprochen, sagt er.

ddp/kah/pon






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