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13.06.2009 | 19:35

Mietskasernen - Kunst im Abrisshaus

Mietskasernen - Kunst im Abrisshaus
Mietskasernen - Kunst im Abrisshaus

Leerstehende Mietskasernen in Ludwigshafen werden zu begehbaren Ausstellungsobjekten

Ludwigshafen (ddp-rps). Wenige Wochen vor dem Abriss rücken einige graue Mietskasernen im Ludwigshafener Stadtteil Gartenstadt nochmals in den Blickpunkt. 26 Künstler gestalten in den leerstehenden Häusern der Ostpreußenstraße 24-28 sowohl Wohnungen als auch Fassaden und Treppenhäuser. «Das Besondere daran ist, dass Installationen, Malereien und Skulpturen mit dem Abriss ebenso untergehen werden wie die Häuser selbst», sagt die Künstlerin Margot Hella Scherr. Sie ist eine der beiden Initiatorinnen des Projekts «Raumgestaltung». Es soll an den beiden letzten Juni-Wochenenden

(20./21. Juni und 27./28. Juni) der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Gemeinsam mit der Malerin Christine Hohmann aus Ludwigshafen hat Scherr die Idee entwickelt und Künstler eingeladen. Da die Wohnungen selbst als Exponate dienten, sei ein Verkauf der Werke ausgeschlossen, sagt Hohmann. Bei dem Projekt geht es den beiden Künstlerinnen nach eigenen Angaben darum «zu kommunizieren, statt zu kommerzialisieren».

Bei der Gestaltung der Fassade des Hauses Nummer 26 versuchen die Künstler, einen Kontrapunkt zur Tristesse der Gebäude aus der Nachkriegszeit zu setzen: Eine Mixtur aus Dosen, Toilettendeckeln, Körben und Helmen ist an der Außenwand mit Drahtseilen befestigt.

In den Wohnungen entstehen ganz unterschiedliche Arbeiten. Während Silvia Henninger die Wände eines Raums mit eingegipsten T-Shirts, Hemden und Hosen behängte, erschuf Hedda Schermer mit leuchtenden Farben an anderer Stelle die Illusion einer südländisch eingerichteten Wohnung.

In einer von Hohmann gestalteten Wohnung sind Möbel und Bilder auf der Tapete schemenhaft zu erkennen. Die Malerin hat kaum etwas verändern müssen: Die letzten Bewohner hatten derart viel geraucht, dass die Wände braun vom Nikotin sind. Nur dort, wo beispielsweise ein Kruzifix hing oder ein Sessel stand, sind die Tapeten noch weiß. «Das ist erschütternd und spricht letztendlich für sich», sagt Hohmann.

Bei aller Kreativität müssen die beiden Organisatorinnen auch die Kunst der Diplomatie beherrschen. «Es ist eine Gratwanderung, die verschiedenen Interessen der Künstler auszugleichen», sagt Scherr. Keine der Arbeiten solle zu stark im Fokus stehen. Auch über den ihnen zugewiesenen Platz diskutierten die Künstler immer wieder.

In der Kritik steht dabei der Mannheimer Künstler Franz Bellmann. Er gestaltete in der Ostpreußenstraße 26 nicht nur die Hausfassade und ein Zimmer, sondern auch mehrere Räume im Keller. Dort schuf er den Zyklus «Wir gedenken», der die NS-Geschichte zum Thema hat. Der 62-Jährige ließ sich dabei von Paul Celans Gedicht «Todesfuge» inspirieren.

Nach Angaben von Initiatorin Scherr war die Gestaltung des Kellers nicht geplant: «Es geht daher nicht an, dass Franz Bellmann sich hier heimlich ausbreitet, während andere Künstler sich beschränken.» Bellmann, der in der Wohnung im Haus Nummer 26 schläft und dort auch ein Atelier eingerichtet hat, will für sein Werk streiten: «Ich bleibe hier, und ich bleibe vor allem unbequem.» Dass er den Keller heimlich gestaltet hat, begründet er mit einem möglichen «Lavieren unserer Konzernleitung», wie er Scherr und Hohmann spöttisch nennt.

Die Organisatorinnen betonen, es gehe schlicht um den Interessenausgleich im Haus. «Wir werden uns weiterhin mit Bellmann auseinandersetzen», sagt Scherr und fügt hinzu: «Wir wussten ja, was auf uns zukommt, wenn wir so viele Kunstschaffende an einen Ort holen.»

(ddp)






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