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09.12.2009 | 11:04

Staatsjagd - (Wendeschlagworte) «Staatsjagdgebiete» (Mit Bild)

Die Staatsjagd gehörte zu jenen Privilegien, auf die die Ostdeutschen in der Wendezeit besonders wütend reagierten 1953 wurde im Jagdgesetz der DDR festgelegt, dass der Staat «Sonderjagdgebiete» für besondere Personen einrichten durfte Das gab es auch zu Zeiten der Kaiser und Fürsten, ebenfalls beanspruchten Nazi-Größen in der NS-Zeit bestimmte Wälder für sich zur Jagd An diese Traditionen knüpften die Oberen des Arbeiter- und Bauernstaates nahtlos an. Wer zu DDR-Zeiten die F109 (heute B109) durch die Schorfheide eine Stunde nördlich von Berlin befuhr, hielt besser nicht an. Alle 50 Meter gab es ein Halteverbotsschild und die Wege in den Wald waren mit Durchfahrtsverbotsschildern versehen. Die Durchfahrt hätte gefährlich werden können, denn in der Gegend wurde scharf geschossen. Vor allem aber sollte die jagende Politprominenz vom Volk abgeschirmt werden.

Die Staatsjagd gehörte zu jenen Privilegien, auf die die Ostdeutschen in der Wendezeit besonders wütend reagierten. 1953 wurde im Jagdgesetz der DDR festgelegt, dass der Staat «Sonderjagdgebiete» für besondere Personen einrichten durfte. Das gab es auch zu Zeiten der Kaiser und Fürsten, ebenfalls beanspruchten Nazi-Größen in der NS-Zeit bestimmte Wälder für sich zur Jagd. An diese Traditionen knüpften die Oberen des Arbeiter- und Bauernstaates nahtlos an. Zweistellige Millionenbeträge zahlte die Staatskasse für die Jagdlust der Partei- und Staatsführung.

Vor allem in der Schorfheide,

auf dem Darß und an die Müritz frönten die «Staatsjäger» ihrer Schießwut. Nach unterschiedlichen Schätzungen waren fünf bis acht Prozent der Jagdfläche SED-Oberen und sowjetischen Militärs vorbehalten. DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker hatte eine reetgedeckte Nobelvilla in der Nähe des mecklenburgischen Dorfs Drewitz. In der Schorfheide nutzte Honecker zudem das Jagdhaus «Wildfang». Nördlich von Berlin gingen auch der Volkskammerpräsident Horst Sindermann (Nutzer der Försterei «Rehluch») und Wirtschaftslenker Günther Mittag (Jagdhaus «Trämmersee») auf die Pirsch. Stasi-Chef Erich Mielke nutzte das Jagdschloss Wolletz bei Angermünde.

Waidmänner waren die «Staatsjäger» allerdings keine. Der Wildbestand etwa in der Schorfheide war viermal so hoch wie in normalen Wäldern. Geschossen wurde auch schon mal vom Hochstand auf Wild an der darunter stehenden Futterstelle.

Nach der Wende wurden die Staatsjagdgebiete aufgelöst, aus den Villen wurden Hotel, Tagungszentrum, Reha-Klinik oder Ferienhäuser. Vor allem aber erhielten die Bürger wieder Zugang zu den Wäldern. Besonders geschützt wurden viele dieser Gebiete aber auch weiterhin. Aus Staatsjagdgebieten wurden Nationalparks und Biosphärenreservate.

ddp/stu/chj






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