12.05.2019 - 00:03 Uhr

Ökonomen fordern staatliche Unterstützung für Kapitalbeteiligung

In die Diskussion um eine Demokratisierung von Profiten fordern Ökonomen eine stärkere Förderung von Kapitalbeteiligung, zum Beispiel in Form von Mitarbeiteraktien.

"Für mich sind Mitarbeiterbeteiligungsprogramme ein wichtiger Schritt in Richtung generelle Aktienbeteiligung", sagte Hans-Jörg Naumer, Ökonom und Kapitalmarktexperte bei Allianz Global Investors, der "Welt am Sonntag". Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts halten nur gut sieben Prozent der Bundesbürger (4,5 Millionen Menschen) direkt Anteile von Unternehmen mithin an Produktivkapital.

"Wenn wir Ungleichheit diskutieren, müssen wir auch darüber reden, warum es in Deutschland so wenige Aktionäre gibt", sagte Naumer. Heinrich Beyer, Geschäftsführer des Bundesverbands Mitarbeiterbeteiligung AGP, sagte der Zeitung: "Das wirtschaftliche Wachstum der letzten Jahre hat nicht zu Vermögenswachstum in der arbeitenden Bevölkerung geführt." Vielmehr habe es nachhaltige Verschiebungen zu Lasten einer breitflächigen Vermögensbildung, der Bildung von Eigentum und der Teilhabe am Produktivkapital gegeben. Statt über Enteignung und Kollektivierung zu diskutieren, fordere Beyer, sollten Politiker die Rahmenbedingungen verbessern, um Mitarbeiter an den Gewinnen und am Kapital der Unternehmen stärker zu beteiligen. Wie eine Umfrage der "Welt am Sonntag" ergab, haben mindestens 14 der 30 DAX-Gesellschaften Mitarbeiterbeteiligungsprogramme. Der Konsumgüterkonzern Henkel hat seit 2001 ein Beteiligungsprogramm für Mitarbeiter, der Chemieriese BASF seit 1999, Lufthansa seit 1996 und BMW seit 1989. Bei der Deutschen Bank und Daimler reichen die Beteiligungsprogramme bis in die 70er-Jahre zurück. Bei Siemens haben Belegschaftsaktien eine besonders lange Tradition: Seit 1969 können Beschäftigte des Technologiekonzerns Firmenanteile zu Vorzugskonditionen erwerben. Nach Angaben des Unternehmens haben heute rund 300.000 der 379.000 Siemens-Mitarbeiter Siemens-Aktien. Beim Softwarekonzern sind 90 Prozent der Beschäftigten in Deutschland Anteilseigner. Aus Sicht von Beyer sind vor allem höhere Freibeträge nötig, um die Deutschen zu mehr Eigentums- und Vermögensbildung zu ermutigen, berichtet die Zeitung. Andere Länder förderten gezielt die Beteiligung am Produktivkapital. Irland räumt seinen Bürgern zum Beispiel einen jährlichen Steuerfreibetrag von 12.700 Euro ein, in Deutschland seien es 360 Euro im Jahr.

dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH