Bundesregierung erwartet im dritten Quartal spürbaren Konjunktur-Dämpfer
heute 10:22 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Die Bundesregierung registriert zu Beginn des dritten Quartals eine spürbare Abschwächung der zuletzt robusten wirtschaftlichen Dynamik. Vor allem hohe Energiepreise, der Konflikt im Nahen Osten und ein verhaltener privater Konsum bremsen die Konjunktur.
via dts Nachrichtenagentur
Die Bundesregierung sieht zu Beginn des dritten Quartals eine Abschwächung der bislang recht robusten wirtschaftlichen Dynamik in Deutschland. Nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums hat sich die konjunkturelle Lage zuletzt etwas verschlechtert, obwohl sich zentrale Stimmungsindikatoren aufgehellt haben.Monatsbericht für September warnt vor DämpferIn dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht für September spricht das Bundeswirtschaftsministerium von einem "spürbaren Dämpfer" für die konjunkturelle Erholung im laufenden Quartal. Demnach zeichnen aktuelle Indikatoren ein insgesamt verhaltenes Bild für die Entwicklung des privaten Konsums, der in Deutschland eine zentrale Stütze der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ist.Die Sonderkonjunktur bei energieintensiven Industrien, die im Zuge des Konflikts im Nahen Osten von einer gestiegenen Auslandsnachfrage profitierte, scheint zur Jahresmitte nach Angaben des Ministeriums nachzulassen.
Damit verliert ein zuvor wichtiger Treiber der Industrieproduktion an Kraft.Energiepreise und Niedrigwasser belasten KonjunkturNach Darstellung des Ministeriums wirken mehrere Faktoren gleichzeitig dämpfend auf die wirtschaftliche Entwicklung.
Neben dem weiterhin ungelösten Konflikt im Nahen Osten und den dadurch gestiegenen Unsicherheiten und Energiepreisen verweist der Bericht auf das anhaltende Niedrigwasser. Die geringen Pegelstände belasten den Gütertransport auf den Wasserstraßen und treffen damit insbesondere Industrie und Handel.Auch in der Binnenwirtschaft deuten Indikatoren für die private Konsumentwicklung auf eine nachlassende Dynamik hin. Die höheren Energiekosten schmälern die verfügbaren Budgets der Haushalte und bremsen damit die Nachfrage nach anderen Waren und Dienstleistungen.Konsumklima bleibt trotz Aufhellung verhaltenAktuelle Konsumindikatoren zeigen nach Regierungsangaben ein gemischtes Bild. Beim GfK-Konsumklima hellten sich im August die Konjunktur- und die Einkommenserwartungen etwas auf, die Anschaffungsneigung blieb jedoch unverändert schwach. Der HDE-Konsumklimaindex konnte im September den Rückgang des Vormonats nahezu aufholen, liegt aber weiterhin unter dem Niveau vom Jahresbeginn.Auch das Ifo-Geschäftsklima im Einzelhandel zeigte im August eine etwas günstigere Lageeinschätzung sowie leicht verbesserte Erwartungen.
Insgesamt reicht diese moderate Aufhellung nach Einschätzung des Ministeriums bislang nicht aus, um den dämpfenden Einfluss externer Belastungsfaktoren auf die Konjunktur auszugleichen.
Der Monatsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums für September zeichnet das Bild einer deutschen Volkswirtschaft, die nach einer Phase robuster Entwicklung wieder an Schwung verliert. Die Bundesregierung verweist dabei sowohl auf externe Schocks als auch auf strukturelle Faktoren im Inland, die sich gegenseitig verstärken und die Konjunktur im dritten Quartal ausbremsen.Belastungen durch Energiepreise und KonflikteIm Mittelpunkt stehen die anhaltend hohen Energiepreise, die Unternehmen und private Haushalte gleichermaßen treffen.
Sie hängen nach Darstellung des Ministeriums eng mit dem ungelösten Konflikt im Nahen Osten zusammen, der die Unsicherheit auf den Energiemärkten erhöht und die Beschaffung verteuert. Diese Belastung wirkt direkt auf energieintensive Industrien und indirekt auf die Konsumlaune, weil höhere Energie- und Nebenkosten den Spielraum für andere Ausgaben verringern.Hinzu kommt der Faktor Niedrigwasser: Wenn Flüsse über längere Zeit zu wenig Wasser führen, werden Transportwege eingeschränkt, Lieferketten gestört und Produktionsprozesse teurer oder verzögert. Solche Effekte schlagen sich erfahrungsgemäß vor allem in der Industrie und im Handel nieder und können ein ansonsten solides Wachstum merklich abschwächen.Verhaltener Konsum dämpft ErholungBesonders aufmerksam verfolgt die Bundesregierung die Entwicklung des privaten Konsums. Mehrere Indikatoren wie das GfK-Konsumklima, der HDE-Konsumklimaindex und das Ifo-Geschäftsklima im Einzelhandel zeigen zwar eine leichte Aufhellung bei Konjunktur- und Einkommenserwartungen, aber weiterhin eine schwache Anschaffungsneigung.
Für die Gesamtwirtschaft ist dies entscheidend: Bleiben Verbraucher bei größeren Anschaffungen zurückhaltend, fällt eine konjunkturelle Erholung meist deutlich milder aus.Bedeutung für Unternehmen und HaushalteFür Unternehmen signalisiert der Bericht, dass sie im dritten Quartal mit einer gedämpften Nachfrage rechnen müssen – sowohl aus dem Ausland als auch im Inland. Investitionsentscheidungen könnten verschoben werden, während Lagerbestände langsamer abgebaut werden.
Für Haushalte bedeutet die Kombination aus hohen Energiepreisen und verhaltener Einkommenssicherheit, dass der Fokus eher auf Sparen und Absicherung als auf Konsum liegt. Die Einschätzung der Bundesregierung dürfte deshalb auch in wirtschaftspolitischen Debatten über Entlastungen, Investitionsanreize und mögliche Stützungsmaßnahmen eine prominente Rolle spielen.