Bundeswehr startet Hotline HELP für Opfer sexuellen Fehlverhaltens
vor 55 Minuten, dts-nachrichtenagentur.de
Verteidigungsminister Boris Pistorius lässt eine rund um die Uhr erreichbare Anlaufstelle für Betroffene und Zeugen einrichten. Die Hotline soll diskrete Erstberatung ermöglichen und über weitere Schritte informieren.
via dts Nachrichtenagentur
Bundeswehr startet Hotline für Betroffene und ZeugenVerteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat eine telefonische Hilfs-Hotline für Soldaten eingerichtet, die Opfer oder Zeuge von sexualisiertem Fehlverhalten in der Truppe geworden sind. Die Hotline mit dem Namen HELP soll seit dem 1. November rund um die Uhr erreichbar sein.Unabhängige Beratung außerhalb der HierarchieGeneralinspekteur Carsten Breuer ordnete die Einrichtung Ende Oktober an. HELP steht für Hilfestellung, Erstberatung, Lotsenfunktion und Präventionsunterstützung.Betroffene und Zeugen können sich an eine unabhängige Stelle wenden, statt zunächst einen Vorgesetzten einzuschalten.
Geschultes Personal soll frühzeitig und diskret Unterstützung leisten und über mögliche weitere Verfahrensschritte informieren.Meldungen nehmen zuNach Angaben der dts-Meldung wurden 2023 insgesamt 402 Fälle sexualisierten Fehlverhaltens gemeldet.
2025 stieg die Zahl auf 469 Meldungen.Für 2026 wird dem Bericht zufolge ein deutlich höherer Wert erwartet. Im Verteidigungsministerium sorgen zudem erste Zahlen aus einer sogenannten Dunkelfeldstudie für Aufregung.Dunkelfeldstudie bleibt geheimMehr als 70 Prozent der aktiven und ehemaligen Soldatinnen, die sich anonym an der Studie beteiligten, sollen von sexualisiertem Fehlverhalten während ihrer Dienstzeit berichtet haben.
Die Studie wird bislang geheim gehalten.
Die Hotline HELP soll eine Lücke zwischen dem Erkennen eines Vorfalls und einer möglichen formellen Meldung schließen.
Entscheidend ist dabei, dass Betroffene und Zeugen nicht zwingend den unmittelbaren Dienstweg über Vorgesetzte wählen müssen, sondern zunächst außerhalb der eigenen Hierarchie Beratung erhalten.Der Bedarf steht im Zusammenhang mit steigenden Meldungszahlen.
Nach den Angaben der dts-Meldung wurden 2023 insgesamt 402 Fälle registriert, 2025 waren es 469. Ein Anstieg kann auf mehr Vorfälle, eine höhere Bereitschaft zur Meldung oder beides zurückgehen.
Die Hotline ist deshalb nicht nur als Beratungsangebot, sondern auch als Zugang zu weiteren Verfahrensschritten angelegt.Unabhängige Anlaufstelle und AufarbeitungBesondere Bedeutung hat das Angebot vor dem Hintergrund der laufenden Debatte über Machtmissbrauch in militärischen Hierarchien.
Aktuelle Ermittlungen gegen fünf Soldaten des Sanitätsregiments 1 in Weißenfels betreffen Vorwürfe sexualisierten Fehlverhaltens sowie mögliche Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz; die Verfahren befinden sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch am Anfang.Für die Bundeswehr hängt die Wirkung der Hotline davon ab, ob sie bekannt ist, vertraulich arbeitet und Betroffene tatsächlich zu Schutz, Beratung und nachvollziehbaren Verfahren führt. Die angekündigten Ergebnisse einer geheim gehaltenen Dunkelfeldstudie könnten den politischen und organisatorischen Druck zusätzlich erhöhen, falls sie das Ausmaß bislang nicht gemeldeter Vorfälle bestätigen.