COP31: Schneider unterstützt 35-Prozent-Stromziel bis 2035

vor 14 Minuten, dts-nachrichtenagentur.de

Bundesumweltminister Carsten Schneider unterstützt den türkischen Vorstoß, den Stromanteil am weltweiten Endenergieverbrauch bis 2035 auf 35 Prozent zu erhöhen. Er verbindet das Ziel mit Chancen für deutsche Energietechnik und warnt vor den Folgekosten ungebremster Erderwärmung.

Carsten Schneider (Archiv)
Carsten Schneider (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Schneider unterstützt Stromziel der COP31Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) unterstützt das Ziel der türkischen Präsidentschaft der diesjährigen Weltklimakonferenz COP31, internationale Messgrößen und Ausbauziele für die Elektrifizierung festzulegen.

Der Anteil der Elektrizität am weltweiten Endenergieverbrauch soll bis 2035 von derzeit etwa 20 Prozent auf 35 Prozent steigen.Strom soll fossile Energien ersetzenNach dem Vorschlag soll erneuerbarer Strom stärker im Verkehr, in der Industrie und in Gebäuden eingesetzt werden.

Effizientere elektrische Technologien könnten dadurch den gesamten Energiebedarf und insbesondere den Bedarf an fossilen Energieträgern senken.„Das wäre ein großer Erfolg, wenn sich das durchsetzt“, sagte Schneider dem „Interview der Woche“ der ARD. Der Minister sieht in dem Ausbau wirtschaftliche Chancen für deutsche Unternehmen, etwa bei Stromnetzen, Transformatoren und weiterer Energietechnik.Klimaschutz und WirtschaftSchneider wies die Vorstellung zurück, Klimaschutz und wirtschaftliche Entwicklung stünden grundsätzlich im Gegensatz. Die aktuellen Probleme der deutschen Wirtschaft führte er vor allem auf hohe Energiekosten, schwächere Exportmärkte und neue Handelshemmnisse zurück.Der Umbau der Energieversorgung und der Industrie könne dagegen neue Geschäftsfelder eröffnen.

Wer den Klimaschutz vernachlässige, gefährde langfristig auch die natürlichen Grundlagen des Wirtschaftens, sagte der Minister.Streit über deutsche KlimapolitikZu Tankrabatt, Änderungen am Heizungsgesetz, neuen Gaskraftwerken und einer höheren Pendlerpauschale sagte Schneider, Deutschland rücke deshalb nicht von seinen Klimazielen ab. „Die große Richtung ist eindeutig, Minderungsziele halten wir ein“, erklärte er.Der Expertenrat für Klimafragen geht laut der dts-Meldung hingegen davon aus, dass Deutschland selbst bei vollständiger Umsetzung des Klimaschutzprogramms keines der gesetzlichen Ziele bis 2040 erreichen würde. Die geplanten Gaskraftwerke sollen nach Schneiders Darstellung vor allem wind- und sonnenarme Zeiten überbrücken.China als TechnologiepartnerChina misst Schneider eine wichtige Rolle in der internationalen Klimapolitik zu. Das Land ist der weltweit größte Treibhausgasemittent und zugleich führend beim Ausbau erneuerbarer Energien sowie bei der Elektromobilität.Als Vorbild wolle er China dennoch nicht bezeichnen, weil Deutschland und Europa ihre wirtschaftlichen Interessen schützen müssten.

Bei Batterietechnik, Recycling und dem Ausbau klimafreundlicher Energien könne Europa jedoch von chinesischen Erfahrungen lernen.Umsetzung entscheidet über KonferenzerfolgDer Erfolg der COP31 entscheidet sich für Schneider nicht an weiteren Abschlusserklärungen, sondern daran, ob die Staaten ihre Zusagen anschließend national umsetzen.

Mit einem pünktlichen Ende der Verhandlungen rechnet er nicht: „Ich habe noch keinen Rückflug gebucht.“Ein neuer Bericht der Vereinten Nationen kommt laut der dts-Meldung zu dem Ergebnis, dass die bisherigen Klimaschutzmaßnahmen nicht ausreichen.

Derzeit steuert die Welt demnach auf eine Erwärmung von rund 2,8 Grad zu und damit deutlich über das Ziel des Pariser Klimaabkommens.
Das Elektrifizierungsziel der türkischen COP31-Präsidentschaft setzt an einem zentralen Hebel der Energiewende an: Strom soll in Bereichen fossile Energieträger ersetzen, in denen dies technisch und wirtschaftlich möglich ist. Dazu zählen unter anderem Verkehr, Gebäude und Teile der Industrie. Der Vorteil liegt darin, dass elektrische Anwendungen häufig effizienter arbeiten als Verbrennungstechnologien und sich mit wachsendem Anteil erneuerbarer Energien schrittweise klimafreundlicher betreiben lassen.Die Zielmarke von 35 Prozent bis 2035 wäre gegenüber dem derzeitigen Anteil von etwa 20 Prozent ein deutlicher Ausbau. Dafür müssten Staaten nicht nur mehr erneuerbaren Strom erzeugen, sondern auch Netze, Speicher, Transformatoren und Ladeinfrastruktur ausbauen.

Gerade beim Netzausbau entstehen lange Planungs- und Genehmigungszeiten, sodass politische Zielsetzungen allein keine schnelle Umsetzung garantieren.Elektrifizierung braucht sauberen StromDer internationale Ansatz steht zugleich vor einem Zielkonflikt: Mehr Stromnutzung senkt den fossilen Energiebedarf nur dann dauerhaft, wenn die zusätzliche Elektrizität überwiegend emissionsarm erzeugt wird. In der Türkei bleibt Kohle trotz wachsender Solarenergie ein wichtiger Bestandteil der Stromversorgung.

Für Deutschland liegen die wirtschaftlichen Chancen vor allem bei Netzen, Leistungselektronik, Speichern und weiteren Energietechnologien.Die Größenordnung der Aufgabe zeigt der von der dts-Meldung genannte UN-Ausblick: Die derzeitigen Maßnahmen führen weiterhin auf eine Erwärmung von rund 2,8 Grad zu. Damit entscheidet sich die Bedeutung der COP31 weniger an einer neuen Zielzahl als an nationalen Investitionen, verlässlichen Rahmenbedingungen und der tatsächlichen Umsetzung bereits abgegebener Zusagen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenEuronews: „COP31-Gastgeber Türkei: Riesiger Solarpark, aber Kohle bleibt Strombasis“ (06.11.2026)Der Beitrag ordnet die türkische COP31-Agenda ein und nennt Elektrifizierung als einen Schwerpunkt der Präsidentschaft. Anders als die dts-Meldung zur deutschen Unterstützung richtet er den Blick stärker auf die widersprüchliche Energiepolitik des Gastgeberlandes zwischen Solar-Ausbau und fortbestehender Kohleverstromung.n-tv: „Umweltminister Schneider: Deutschland unterstützt weltweites Stromziel für 2035“ (06.11.2026)Der Bericht bestätigt die deutsche Unterstützung für das weltweite Stromziel und verortet die Initiative bei der Türkei und Australien. Im Mittelpunkt steht dort die politische Entscheidung Deutschlands, während die dts-Meldung zusätzlich Schneiders wirtschaftliche Argumente und seine Einschätzung zum Verlauf der Konferenz wiedergibt.Übereinstimmung besteht beim Ziel eines höheren Elektrifizierungsanteils bis 2035. Unterschiede zeigen sich beim Schwerpunkt: Im Vordergrund stehen je nach Beitrag die deutsche Position, die internationale Initiative oder die türkische Abhängigkeit von Kohle; offen bleibt die konkrete Umsetzung durch die Staaten.

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