Deutschlandticket: Provision soll auf fast 3,20 Euro steigen

heute 11:46 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Die Verkehrsunternehmen wollen für den Verkauf des Deutschlandtickets künftig bis zu fast 3,20 Euro erhalten. Der VRR warnt vor einer einseitigen Begünstigung großer Vertriebsplattformen und schlägt ein abgestuftes Vergütungsmodell vor.

Deutschlandticket (Archiv)
Deutschlandticket (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Deutschlandticket-Verkauf soll höhere Provisionen bringenDie Verkehrsunternehmen wollen die Vergütung für den Verkauf des Deutschlandtickets im kommenden Jahr von bis zu 2,90 Euro auf fast 3,20 Euro erhöhen.

Bei mehr als 170 Millionen verkauften Tickets würde die Gesamtsumme der Provisionen von derzeit rund 450 Millionen Euro um einen zweistelligen Millionenbetrag steigen.Große Anbieter profitieren besondersVon der Vertriebsvergütung profitieren vor allem Großverkäufer wie die Deutsche Bahn, die über ihre Navigator-App geschätzt 25 bis 30 Prozent aller Deutschlandtickets verkauft. Bei Job- und Semestertickets liegt die Vergütung niedriger.Oliver Wittke, Chef des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, kritisiert die geplante Erhöhung.

Das Deutschlandticket dürfe nicht zur „Gelddruckmaschine“ für wenige große Vertriebsplattformen werden, sagte Wittke dem „Spiegel“.VRR schlägt degressives Modell vorNach Wittkes Einschätzung gehen die Kosten für die Vertriebsanreize zulasten der Kunden.

Jeder Euro, der nicht für überproportionale Vertriebsanreize ausgegeben werde, könne stattdessen das eigentliche Produkt und damit einen zuverlässigen und attraktiven öffentlichen Verkehr stärken.Der Koordinierungsrat für das Deutschlandticket soll in der kommenden Woche über die Anhebung entscheiden.

Dem Gremium gehören Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, des Bundesfinanzministeriums und der Landesverkehrsministerien an; kommunale Spitzen- und Verkehrsverbände nehmen beratend teil.Vergütung soll nach Verkaufsmenge sinkenDer VRR schlägt alternativ ein degressives Modell vor. Danach soll die Vergütung ab 250.000 verkauften Deutschlandtickets stufenweise sinken: zunächst um zehn Prozent, von einer Million bis fünf Millionen Tickets um weitere zehn Prozent und anschließend um 30 Prozent.Andere Verkehrsverbände unterstützen den Vorschlag. Im Mittelpunkt steht damit die Frage, wie Vertriebsleistungen vergütet werden, ohne die Finanzierung des bundesweit geltenden Tickets zusätzlich zu belasten.
Das Deutschlandticket wird aus zwei öffentlichen Mitteln finanziert: Bund und Länder tragen die Ausgleichszahlungen für die Mindereinnahmen der Verkehrsunternehmen, während die Vertriebsvergütung die Verkaufssysteme und Verkaufsstellen finanzieren soll. Die nun geplante Anhebung fällt deshalb in eine ohnehin angespannte Debatte über den Preis und die langfristige Finanzierung des Tickets.Die Größenordnung ergibt sich aus der Masse der Verkäufe. Schon wenige Cent pro Ticket summieren sich bei mehr als 170 Millionen Abschlüssen auf Millionenbeträge. Besonders stark profitieren Anbieter mit großen digitalen Vertriebsplattformen, weil dort viele Verkäufe über standardisierte Prozesse abgewickelt werden können.Verteilung der Anreize im MittelpunktDer Vorschlag des VRR zielt darauf, die Vergütung nach Verkaufsmenge abzustufen.

Damit würde der finanzielle Anreiz für kleinere und mittlere Vertriebsstellen stärker ausfallen als für Plattformen mit sehr hohen Stückzahlen.

Für die Kunden ist entscheidend, ob die zusätzlichen Kosten aus öffentlichen Zuschüssen, aus den Einnahmen der Verkehrsunternehmen oder mittelbar aus Ticketpreisen gedeckt werden.Der Zeitpunkt ist politisch relevant: In der kommenden Woche soll der Koordinierungsrat über die Anhebung beraten.

Zugleich steigt der Preis des Deutschlandtickets ab 2027 von 63 Euro auf 66,80 Euro. Die Entscheidung über die Verkaufsprovision wird daher nicht isoliert betrachtet werden, sondern in die Frage einfließen, wie attraktiv und finanzierbar das bundesweite Abo bleiben kann.

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