EU-Verteidigung bleibt 2030-Ziel bei Beschaffung weit zurück

heute 14:00 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Ein vertraulicher Zwischenbericht der Europäischen Verteidigungsagentur warnt vor erheblichen Defiziten bei Luftverteidigung, Munition, Aufklärung und weiteren militärischen Fähigkeiten. Besonders weit entfernt liegt die EU beim Ziel, 40 Prozent der Rüstungsinvestitionen gemeinsam zu beschaffen.

Bundeswehrsoldat in Flecktarnuniform (Archiv)
Bundeswehrsoldat in Flecktarnuniform (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Die EU-Staaten geben zwar deutlich mehr für ihre Verteidigung aus, schließen zentrale Fähigkeitslücken aber weiterhin nicht. Das geht aus einem vertraulichen Zwischenbericht zum Ziel hervor, sich bis 2030 konventionell gegen einen russischen Angriff verteidigen zu können.Gemeinsame Beschaffung bleibt weit hinter Ziel zurückDer unter Federführung der Europäischen Verteidigungsagentur erstellte Bericht liegt den Mitgliedstaaten nach Angaben der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ als Entwurf vor. Die Entwurfsfassung soll der Schlussversion nahezu entsprechen.Als wesentlichen Grund für die Defizite nennt der Bericht die fehlende Abstimmung bei der Beschaffung von Rüstungsgütern. Der Anteil gemeinsamer Beschaffungen an den Rüstungsinvestitionen der EU-Staaten lag 2025 bei 13 Prozent. 2022 waren es noch 18 Prozent; bis 2030 soll der Anteil auf 40 Prozent steigen.Abhängigkeit von den USADer Bericht bemängelt außerdem die fortbestehende Abhängigkeit von den USA. Sie betrifft unter anderem die Luftbetankung, die Gefechtsfeldaufklärung, die Weltraumüberwachung und das Luftverteidigungssystem Patriot.Weitere große Lücken sieht das Papier bei Kampfpanzern und Infanteriefahrzeugen, bei Marinefähigkeiten sowie bei Munition, Bomben, Raketen und modernen Technologien.

Das Bild bei Artilleriesystemen, Drohnen und militärischer Mobilität fällt demnach gemischt aus.2030-Ziel gilt als schwer erreichbarDas Schließen der Lücken bis 2030 werde durch fragmentierte Investitionen sowie lange und komplexe Entwicklungszyklen äußerst schwierig, heißt es in dem Bericht. Die Einsatzbereitschaft werde kein Mitgliedstaat allein erreichen.Die Staats- und Regierungschefs hatten das Papier vor einem Jahr in Auftrag gegeben. Es soll nun als Grundlage für weitere Entscheidungen über gemeinsame europäische Verteidigungsinvestitionen und industrielle Kapazitäten dienen.
Der Bericht fällt in eine Phase, in der die EU ihre Verteidigungsplanung stärker auf die Möglichkeit eines langfristig angespannten Verhältnisses zu Russland ausrichtet.

Die Zielmarke 2030 soll dabei nicht nur höhere Ausgaben abbilden, sondern auch sicherstellen, dass Streitkräfte, Industrie und Beschaffung praktisch zusammenwirken.Die zentrale Schwachstelle liegt in der Fragmentierung.

Wenn Mitgliedstaaten Waffen, Munition und Unterstützungsleistungen überwiegend getrennt bestellen, entstehen unterschiedliche Systeme, kleinere Produktionsserien und längere Lieferzeiten.

Gemeinsame Beschaffung kann dagegen Interoperabilität verbessern und die industrielle Nachfrage bündeln. Der im Bericht genannte Rückgang des gemeinsamen Beschaffungsanteils von 18 Prozent im Jahr 2022 auf 13 Prozent im Jahr 2025 steht damit im Gegensatz zum Ziel von 40 Prozent bis 2030.Strategische Abhängigkeiten bleiben bestehenBesonders relevant ist die Abhängigkeit von US-Fähigkeiten bei Luftbetankung, Aufklärung, Weltraumüberwachung und Patriot-Systemen.

Diese Bereiche sind für die Durchhaltefähigkeit moderner Streitkräfte entscheidend, weil sie nicht nur einzelne Waffen, sondern Führung, Aufklärung, Logistik und Schutz miteinander verbinden.Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet der Befund, dass steigende Verteidigungshaushalte allein keine kurzfristige Einsatzbereitschaft garantieren.

Nötig sind zusätzlich abgestimmte Prioritäten, verlässliche Produktionskapazitäten und Entscheidungen mit Wirkung über mehrere Haushaltsjahre. Die Beratung des Berichts durch die Staats- und Regierungschefs dürfte deshalb vor allem die Frage betreffen, wie nationale Beschaffungsentscheidungen stärker an gemeinsamen europäischen Fähigkeitszielen ausgerichtet werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragentagesschau: „Kallas: Bericht offenbart Lücken bei EU-Verteidigungsbereitschaft“ (28.09.2026)Der Beitrag stellt die Einschätzung der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas in den Mittelpunkt und nennt Lücken bei Luftverteidigung, Drohnen und Munitionsbeständen.

Zusätzlich verweist er auf die geplante Beratung des Berichts beim Herbstgipfel der Staats- und Regierungschefs.Euronews: „EU-Minister beraten Reaktion auf "hybride Bedrohungen und russische Sabotage"“ (28.09.2026)Euronews ordnet den Bericht in die Debatte über hybride Bedrohungen und eine mögliche russische Aggression ein. Der Schwerpunkt liegt stärker auf der politischen Koordinierung und den Lücken bei Luft- und Raketenabwehr, Landstreitkräften, Marine, Munition und Drohnen.Beide Beiträge stimmen darin überein, dass höhere Verteidigungsausgaben bislang nicht alle Fähigkeitslücken schließen.

Unterschiede bestehen vor allem bei der Gewichtung: Während der eine Beitrag die Verteidigungsbereitschaft und den EU-Gipfel hervorhebt, rückt der andere die Verbindung von militärischer Vorsorge und hybriden Bedrohungen in den Vordergrund.

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