Gasspeicher nur 58 Prozent voll: Grüne kritisieren Reiche

heute 13:58 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Die Grünen kritisieren Wirtschaftsministerin Katherina Reiche wegen der niedrigen Speicherstände und fordern neben zusätzlichen Käufen vor allem Einsparungen und einen schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien. Reiche ließ das verstaatlichte Unternehmen Sefe Gas beschaffen und speichern.

Gasspeicher (Archiv)
Gasspeicher (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Die Grünen werfen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) angesichts zu 58 Prozent gefüllter deutscher Gasspeicher ein planloses Vorgehen vor. Fraktionsvize Julia Verlinden kritisierte, Reiche habe sich nicht rechtzeitig auf den Winter vorbereitet und setze nun auf teure Gasimporte.Verlinden fordert Einsparungen„Katherina Reiche hatte genug Zeit, sich auf den Winter vorzubereiten und Deutschlands Abhängigkeit von teuren Gasimporten zu verringern“, sagte Verlinden der Funke-Mediengruppe. Dass Reiche erst in letzter Sekunde zu hohen Preisen die Speicher füllen wolle, zeige aus ihrer Sicht ein planloses und ideologiegetriebenes Vorgehen.Verlinden fragte, wo Energiesparmaßnahmen, eine Abwrackprämie für alte fossile Heizungen oder Impulse blieben, um den Gasverbrauch bei der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien und Speicher zu ersetzen.Grüne verweisen auf EU-AppellDie Grünen-Politikerin verwies auf einen Brief des EU-Energiekommissars Dan Jørgensen.

Der Däne habe die Mitgliedstaaten aufgefordert, den Energieverbrauch weiter zu senken sowie Gas und Strom zu sparen.Jørgensen habe Vorschläge gemacht, wie sich Europa mit Energieeinsparungen auf einen kalten Winter vorbereiten könne, sagte Verlinden.

Reiche müsse diese Maßnahmen nun umsetzen und die Abhängigkeit von fossilen Energien verringern.Sefe soll Gas einkaufenDazu zählt Verlinden den Ausbau von Wind- und Solarenergie sowie die Elektrifizierung von Verkehr, Wärmesektor und Wirtschaft. Wie am Mittwoch bekannt wurde, wies Reiche angesichts eines Speicherfüllstands von nur 58 Prozent das verstaatlichte Unternehmen Sefe an, Gas einzukaufen und zu speichern.Damit reagiert das Wirtschaftsministerium unmittelbar auf den niedrigen Füllstand vor dem Winter. Die politische Debatte dreht sich zugleich um die Kosten kurzfristiger Beschaffung und um langfristige Maßnahmen zur Senkung des Gasverbrauchs.
Die Auseinandersetzung über die deutschen Gasspeicher verbindet eine kurzfristige Beschaffungsentscheidung mit einer grundsätzlichen energiepolitischen Frage: Soll der Staat in einem angespannten Markt unmittelbar eingreifen oder stärker auf Einsparungen, erneuerbare Energien und Speicher setzen?

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine wurden in der Europäischen Union verbindliche Füllstandsvorgaben eingeführt. Für Deutschland gilt zum 1. November ein Ziel von 80 Prozent.Die Speicherstände liegen in diesem Jahr deutlich unter dem langjährigen Zielniveau. In der Europäischen Union bewegen sie sich im Durchschnitt bei etwa 70 Prozent; Deutschland gehörte Mitte September mit 55,6 Prozent zu den Ländern mit besonders niedrigen Füllständen.

Zugleich verwies EU-Energiekommissar Dan Jørgensen auf die Möglichkeit, die europäische Flexibilität zu nutzen und das deutsche Ziel auf 75 bis 80 Prozent abzusenken, um zusätzlichen Preisdruck durch kurzfristige Käufe zu begrenzen.Preise, Versorgung und politische VerantwortungFür Haushalte und Unternehmen ist entscheidend, dass ein niedriger Speicherstand nicht automatisch eine Versorgungslücke bedeutet. Er verringert jedoch den Puffer für kalte Wetterphasen, hohe Nachfrage oder Störungen bei Flüssiggaslieferungen. Je später eingekauft wird, desto größer kann der Preisaufwand sein; staatliche Aufträge können zugleich den Markt beeinflussen.

Die Grünen setzen deshalb auf Verbrauchssenkungen und eine schnellere Elektrifizierung.Die Debatte dürfte sich im Herbst an drei Punkten zuspitzen: dem tatsächlichen Winterverlauf, der Entwicklung der internationalen Gaspreise und der Frage, wer die Kosten zusätzlicher Beschaffung trägt. Für Verbraucher bleibt neben dem Speicherfüllstand daher auch die Entwicklung von Gas- und Strompreisen relevant.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenEuronews: „Geht uns das Gas aus? So sicher ist die EU für den Winter“ (28.09.2026)Der Beitrag ordnet die niedrigen Speicherstände in den europäischen Energiemarkt ein und nennt Deutschland mit 55,6 Prozent als eines der Länder mit besonders geringem Füllstand. Im Mittelpunkt stehen internationale LNG-Risiken, mögliche Preissteigerungen und die Einschätzung, dass derzeit keine unmittelbare Versorgungslücke erwartet wird.FOCUS online: „Niederlande drängen nach Kosten von 1,14 Milliarden Dollar auf Abschaffung der EU-Gasspeichervorgabe“ (28.09.2026)FOCUS online richtet den Blick auf die Kosten und die europäische Regulierung der Speicherfüllstände. Der Artikel beschreibt, wie verbindliche Stichtage den Einkauf verteuern können, und verweist auf die Debatte über eine mögliche Abschaffung der Vorgaben nach ihrem Auslaufen.Beide Beiträge bestätigen den angespannten Füllstand vor dem Winter, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte: Euronews betont die internationale Versorgungslage und das Risiko für Preise, während FOCUS online vor allem die Regulierung und ihre finanziellen Folgen untersucht. Offen bleibt, wie stark sich die Speicher bis zum Winter weiter füllen und wie sich die internationalen Gaspreise entwickeln.

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