Kapitalrente: DGB-Chefin Fahimi warnt vor weniger Rente

heute 16:17 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

DGB-Chefin Yasmin Fahimi warnt vor einer Reform, die das sinkende gesetzliche Rentenniveau aus ihrer Sicht lediglich abfedert. Zugleich kritisiert sie die fehlende Beteiligung der Sozialpartner und kündigt für den 26. September bundesweite Proteste an.

Yasmin Fahimi (Archiv)
Yasmin Fahimi (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

DGB-Chefin Yasmin Fahimi hat die geplante Kapitalrente der Bundesregierung als „Täuschung“ kritisiert und vor niedrigeren Renten gewarnt. Vor dem bundesweiten Protesttag des Deutschen Gewerkschaftsbundes am 26. September bemängelte sie zudem die aus ihrer Sicht unzureichende Einbindung der Sozialpartner.Fahimi warnt vor Nachteilen für rentennahe Jahrgänge„Die Kapitalrente, wie sie von der Kommission vorgeschlagen wurde, ist eine Täuschung“, sagte Fahimi dem Focus. Die Reform solle nach ihrer Darstellung keinen Ausbau der Altersvorsorge bringen, sondern lediglich das Absinken des gesetzlichen Rentenniveaus abfedern.Viele rentennahe Generationen würden davon faktisch nichts mehr haben, weil der Aufbau des Kapitalstocks Jahrzehnte dauere, sagte die DGB-Chefin. Nominal würden viele Menschen sogar weniger erhalten.Kritik an fehlendem SozialpartnerdialogFahimi beklagte außerdem, dass die Sozialpartner bei substanziellen Reformen so wenig einbezogen worden seien wie noch nie. Erst wenn es einen gesellschaftlichen Aufschrei gebe, erinnere sich die Merz-Regierung an die Gewerkschaften und erwarte, dass diese ihre Konflikte lösten, sagte sie.Nach Angaben der DGB-Chefin hat es bislang keine weitere Einladung zu einem Sozialpartnerdialog im Kanzleramt gegeben.

Der DGB ruft für den 26. September bundesweit zu Protesten gegen Sozialabbau auf.
Die geplante Kapitalrente ist Teil eines umfassenderen Umbaus der Altersvorsorge. Die Alterssicherungskommission legte 2026 insgesamt 33 Empfehlungen vor. Dazu gehören neben einem Kapitalfonds auch Veränderungen beim Renteneintritt, eine Ausweitung des Versichertenkreises und eine schrittweise Ergänzung der gesetzlichen Beiträge um kapitalgedeckte Elemente.Kapitalstock braucht lange ÜbergangszeitDer zentrale Zielkonflikt liegt zwischen kurzfristiger Entlastung und langfristigem Aufbau. Ein Kapitalstock kann erst über längere Zeiträume nennenswerte Erträge und einen größeren Ausgleich für die gesetzliche Rente erzeugen.

Für Menschen kurz vor dem Ruhestand bleibt deshalb vor allem entscheidend, wie das gesetzliche Rentenniveau während der Übergangsphase gesichert wird und wie hoch die zusätzlichen Beiträge ausfallen.Nach den bekannt gewordenen Empfehlungen sollen von 2028 bis 2031 schrittweise Beiträge zur gesetzlichen Kapitalrente hinzukommen und bis auf zwei Prozent steigen.

Zugleich wird über steigende reguläre Rentenbeiträge und Änderungen bei der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren beraten.

Für Beschäftigte und Unternehmen bedeutet die Reform damit nicht nur eine Frage der späteren Auszahlung, sondern auch der unmittelbaren Beitrags- und Arbeitsbelastung.Konflikt über Beteiligung und VerteilungFahimis Vorwurf richtet sich deshalb auf zwei Ebenen: auf die Verteilungswirkung der Reform zwischen den Generationen und auf das Verfahren.

Die Gewerkschaften verlangen eine stärkere Absicherung der gesetzlichen Rente sowie eine verbindliche Beteiligung der Sozialpartner. Die Bundesregierung betrachtet die Empfehlungen dagegen als zusammenhängendes Paket, das mit Übergangsregeln und Vertrauensschutz umgesetzt werden soll.Für die Bevölkerung bleiben insbesondere die konkrete Beitragshöhe, die Ausgestaltung des Kapitalfonds, die Kostenverteilung und der Schutz rentennaher Jahrgänge entscheidend. Der angekündigte Protesttag am 26. September verlagert diese offenen Fragen aus den Verhandlungen in die öffentliche Auseinandersetzung.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragenrbb24: „Rentenreform: "Alle in ein System, alle zu gleichen Bedingungen"“ (23.09.2026)Der Beitrag ordnet die Kapitalrente als Herzstück der Empfehlungen der Alterssicherungskommission ein und stellt die Skepsis des Sozialverbands Deutschland gegenüber kapitalgedeckten Anlagen heraus. Damit bestätigt er den Streit über die Sicherheit und Wirkung des Kapitalstocks, setzt den Schwerpunkt jedoch stärker auf ein einheitliches Rentensystem und die Einbeziehung weiterer Gruppen.tagesschau: „Kanzleramtschefin Warken verspricht Tempo bei Reformen“ (23.09.2026)Die Meldung beschreibt die Regierungsposition, wonach die Empfehlungen als Gesamtpaket umgesetzt werden sollen, und verweist auf Übergangsfristen für rentennahe Jahrgänge. Anders als Fahimi stellt sie die geplante Umsetzung und den Vertrauensschutz in den Mittelpunkt; offen bleiben die konkrete Ausgestaltung und die Zustimmung der Sozialpartner.Gemeinsam ist den Beiträgen die Einordnung der Kapitalrente als Kernbestandteil der Reform. Unterschiede bestehen vor allem bei der Bewertung des Kapitalstocks, der Gewichtung des gesetzlichen Systems und der Frage, wie schnell und unter welchen Schutzregeln die Vorschläge umgesetzt werden.

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