Kohleausstieg 2030: Union fordert Vorrang für Versorgungssicherheit
vor 26 Minuten, dts-nachrichtenagentur.de
Der vorgezogene Braunkohleausstieg im Rheinischen Revier steht wegen möglicher Engpässe in den Wintern 2031 und 2032 unter besonderer Beobachtung. Die Union verweist auf Prüfungen der Bundesnetzagentur und neue Regeln für Reservekraftwerke.
via dts Nachrichtenagentur
Versorgungssicherheit prägt Debatte über KohleausstiegNach Warnungen von Energieökonomen zum vorgezogenen Kohleausstieg im Rheinischen Revier hat der wirtschafts- und energiepolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Andreas Lenz, den Vorrang der Versorgungssicherheit betont. Bei der Abschaltung jedes einzelnen Kraftwerks prüfe die Bundesnetzagentur die Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Elektrizität.Lenz verweist auf neues Versorgungsgesetz„Neben der Frage der Bezahlbarkeit ist die Versorgungssicherheit - das heißt in dem Fall die Verfügbarkeit von Elektrizität zu jeder Tages- und Jahreszeit - entscheidend“, sagte der CSU-Politiker dem WDR und dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Versorgungssicherheit müsse jederzeit gewährleistet sein.Lenz verwies zudem auf das im Sommer in Kraft getretene Versorgungssicherheitsgesetz StromVKG. Es soll die Stromversorgung auch bei Dunkelflauten und nach dem Kohleausstieg sichern und den Bau neuer Gaskraftwerke regeln.Energieökonomen warnen vor EngpässenManuel Frondel vom RWI - Leibniz-Institut in Essen hält den vorgezogenen Ausstieg für problematisch. Er sagte, der Ausstieg könne nicht funktionieren, ohne eine Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit und weiter steigende Strompreise zu riskieren.
Frondel rechnet damit, dass der Beschluss zum vorgezogenen Kohleausstieg noch gekippt wird.Auch der Bochumer Energieökonom Andreas Löschel äußerte sich skeptisch. Nach den Ausschreibungen für Reserve-Gaskraftwerke müsse insbesondere geprüft werden, wie sich die Versorgungssicherheit im Winter 2031 und im Winter 2032 entwickle. Nach jetzigem Stand werde Nordrhein-Westfalen in diesen beiden Wintern durchaus Probleme bekommen.NRW erhält 2,1 Gigawatt neue KraftwerksleistungBei der ersten Ausschreibung für neue Gaskraftwerke erhielt NRW eine Leistung von 2,1 Gigawatt. Nach Angaben der Bundesnetzagentur entspricht das 41 Prozent der insgesamt vergebenen Leistung.Die Kraftwerke sollen spätestens 2031 ans Netz gehen.
Damit wäre ihr Ausbau ein Jahr nach dem vorgezogenen Kohleausstieg abgeschlossen.
Der Streit über den Braunkohleausstieg im Rheinischen Revier konzentriert sich auf die zeitliche Lücke zwischen dem geplanten Ende der Kohleverstromung und dem Aufbau neuer gesicherter Kraftwerksleistung.
Der Ausstieg wurde 2022 von Bund, Nordrhein-Westfalen und RWE von 2038 auf 2030 vorgezogen.
Damit sollte zugleich der Erhalt mehrerer vom Abriss bedrohter Dörfer ermöglicht werden.Die aktuelle Debatte betrifft vor allem die Winter 2031 und 2032. Nach dem derzeitigen Plan sollen neue Gaskraftwerke spätestens 2031 ans Netz gehen; der Kohleausstieg läge damit mindestens teilweise vor dem vollständigen Ersatz der gesicherten Leistung. In wind- und sonnenarmen Phasen steigt die Bedeutung steuerbarer Kraftwerke, Stromimporten, Netzen und Speichern.Versorgungssicherheit bleibt PrüfmaßstabFür Haushalte und Unternehmen geht es deshalb nicht nur um das Ausstiegsdatum, sondern auch um mögliche Auswirkungen auf Strompreise und Netzstabilität. Die erste Vergaberunde für neue Gaskraftwerke schafft zusätzliche Kapazität, beseitigt aber nicht automatisch alle Risiken der Übergangszeit. Die Bundesnetzagentur soll die Folgen der Abschaltung einzelner Kraftwerke prüfen; eine endgültige politische Bewertung des Zeitplans steht damit im Zusammenhang mit den weiteren Ausschreibungen und der angekündigten Evaluierung.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenWDR: „Braunkohleausstieg in NRW: Strompreise und Versorgung“ (07.11.2026)Der Beitrag bestätigt die Warnungen vor einer möglichen Versorgungslücke und nennt Berechnungen von bis zu 16 Gigawatt in extremen Wetterphasen. Im Schwerpunkt beleuchtet er zusätzlich die politische Verzögerung der Evaluierung und die Folgen für die Landespolitik.n-tv: „Experten sehen Versorgungssicherheit in NRW durch Kohleausstieg gefährdet“ (07.11.2026)Der Artikel bestätigt die Bedenken von Manuel Frondel und Andreas Löschel sowie die zugesagten 2,1 Gigawatt für NRW. Anders als der WDR-Beitrag stellt er stärker die mögliche politische Neubewertung des Ausstiegs nach der zweiten Ausschreibungsrunde heraus.Übereinstimmend steht die zeitliche Abstimmung von Kohleabschaltungen und neuen Gaskraftwerken im Mittelpunkt. Offen bleibt, welche Konsequenzen die Bundesregierung aus der angekündigten Bewertung der Versorgungssicherheit zieht.