Lexikon

Kreditderivate (credit derivates)

Allgemein Finanzkontrakte, die es ermöglichen, das Kreditrisiko eines fest abgegrenzten Darlehnspools (nämlich eines Korbs mit einer begrenzten Anzahl von Darlehn an genau bezeichnete Kreditnehmer) vom Finanzierungsvorgang zu trennen und die Risiken handelbar zu machen (sie auszuplazieren; place out)

Allgemein Finanzkontrakte, die es ermöglichen, das Kreditrisiko eines fest abgegrenzten Darlehnspools (nämlich eines Korbs mit einer begrenzten Anzahl von Darlehn an genau bezeichnete Kreditnehmer) vom Finanzierungsvorgang zu trennen und die Risiken handelbar zu machen (sie auszuplazieren; place out). -Die Marktfähigkeit erfordert ein hohes Mass an Standardisierung der Kontrakte, was zumeist durch Bezugnahme auf Musterverträge der International Swaps and Derivatives Association geschieht. Zudem bestimmen Kreditderivate die Höhe der vereinbarten Ausgleichszahlung unabhängig vom tatsächlichen Schaden, den ein Sicherungsnehmer (floating rate payer) erleidet; damit entfällt eine einzelne Schadensprüfung. Entwickelte Märkte für den Transfer von Kreditrisiken tragen grundsätzlich zur Stabilität des internationalen Finanzsystems bei. Sie steigern auch im Regelfall die Durchsichtigkeit innert der Banken, weil so Kreditrisiken infolge ihrer Marktfähigkeit und Handelbarkeit verlässlich zu bewerten und anpassungsfähiger mit den Marktgegebenheiten abzustimmen sind. Aufgrund ihrer rascheren Verarbeitung neuer Informationen haben die Preise der Kreditderivate vielfach die Preisführerschaft für den Kassamarkt übernommen. -Andererseits machen es Derivate den Zentralbanken immer schwieriger, die Geldmenge genau zu erfassen. -Im Jahr 2006 entfiel nach Schätzungen knapp 60 Prozent des Handels in Kreditderivaten auf Hedge-Fonds. Siehe Abwicklungsabteilung, Abwicklungsbestätigung, Credit Default Swap, Credit Linked Notes, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Derivategeschäfte, bilaterale, First-to-default-Basket, Kreditrisiko, Kreditverbriefung, Liquiditätsformen, Marktliquidität, Risiko, Risikotransformation, bankliche, Risk Taker, Swap, Total Return Swap, Verbriefungsstruktur, Zweckgesellschaft. Vgl. Monatsbericht der EZB vom August 2002, S. 56 f., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2004, S. 28 ff., Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2004, S. 43 ff. (dort auch Übersichten), Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 20 ff. (mit Schwerpunkt auf die Sicht der Zentralbank), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 18 f. (Daten zur Entwicklung der Märkte; Gefahren), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 16 f. (Wachstumskräfte; Risikolage).

© Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Universität Siegen

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