Pflegeneuordnungsgesetz: VDAB warnt vor Kürzungen für ambulante Dienste
heute 15:31 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de
Der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe warnt vor erheblichen wirtschaftlichen Folgen für ambulante Pflege- und Betreuungsdienste. Bei der Finanzierung von Tariflöhnen sieht der Verband dagegen Ansätze für eine tragfähige Lösung.
via dts Nachrichtenagentur
Der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB) sieht die ambulante Versorgung durch den überarbeiteten Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) unter Druck. VDAB-Bundesgeschäftsführer Thomas Knieling kritisierte gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, die Leistungskürzungen in der ambulanten Pflege sollten bestehen bleiben.VDAB warnt vor wirtschaftlichen Folgen„Im ersten Überblick fällt auf, dass die verheerenden Leistungskürzungen im Bereich der ambulanten Pflege bestehen bleiben sollen, was den Grundsatz `ambulant vor stationär` ad absurdum führt“, sagte Knieling. Für ambulante Pflege- und Betreuungsdienste könnten daraus erhebliche wirtschaftliche Folgen entstehen.„Die Folge werden massive wirtschaftliche Probleme für ambulante Dienste und Betreuungsdienste sein. Hier braucht es dringend Nachbesserungen“, erklärte der VDAB-Bundesgeschäftsführer weiter.Tariffinanzierung mit unterschiedlichen FolgenBei der Finanzierung von Tariflöhnen könnte sich nach Einschätzung des Verbandes dagegen eine vertretbare Lösung abzeichnen.
Einrichtungen außerhalb der Tarifsystematik müssten jedoch mit größeren Herausforderungen rechnen.Kritik an fehlender ZukunftsperspektiveInsgesamt sieht Knieling den Entwurf nicht als Antwort auf die langfristigen Versorgungsprobleme. „Das PNOG gibt in dieser Fassung keine Antwort auf die existenziellen Versorgungsfragen der Zukunft. Im Kern bleibt es ein Spargesetz, und es ist völlig offen, ob sich die angekündigte Strukturkommission auch mit einer zukunftsfesten Versorgungs- und Leistungsstruktur beschäftigen wird oder nur mit System- und Finanzierungsfragen“, sagte er.
Die Kritik des VDAB richtet sich gegen einen zentralen Zielkonflikt der geplanten PflegeNeuordnung: Die Pflegeversicherung soll finanziell stabilisiert werden, zugleich soll die Versorgung möglichst lange im häuslichen Umfeld bleiben.
Werden ambulante Leistungen gekürzt oder Zugänge erschwert, können Pflegebedürftige und Angehörige stärker auf eigene Mittel, informelle Hilfe oder stationäre Angebote angewiesen sein.Der Reformdruck ist erheblich. Für die Pflegeversicherung wird für 2026 ein Defizit von 4,4 Milliarden Euro erwartet; ohne zusätzliche Zuschüsse könnte sich die Finanzlücke im kommenden Jahr weiter vergrößern. Der Entwurf verbindet deshalb Einsparungen bei Leistungen mit höheren Einnahmen, unter anderem durch veränderte Beiträge für bestimmte Versichertengruppen.Ambulante Dienste unter KostendruckFür ambulante Pflegedienste treffen Leistungskürzungen auf bereits hohe Personal- und Betriebskosten.
Tarifgebundene Einrichtungen könnten von einer tragfähigeren Regelung zur Finanzierung von Tariflöhnen profitieren.
Dienste außerhalb eines Tarifsystems müssten dagegen mit größerem Anpassungsdruck rechnen, wenn Vergütungen und Leistungsumfang nicht ausreichend zusammenpassen.Politisch entscheidend bleibt damit, ob die angekündigte Strukturkommission über kurzfristige Finanzfragen hinausgeht. Eine langfristig tragfähige Reform müsste Einnahmen, Leistungsansprüche, Fachkräftegewinnung und die Aufgabenteilung zwischen Angehörigen, ambulanten Diensten und stationären Einrichtungen gemeinsam betrachten.
Für Pflegebedürftige kann die konkrete Ausgestaltung darüber entscheiden, wie viel Unterstützung zu Hause verfügbar bleibt und welche Kosten selbst getragen werden müssen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenDeutschlandfunk: „Vor Kabinettsabstimmung - SPD fordert weiter Änderungen an Pflegereform“ (30.09.2026)Der Beitrag beschreibt den Streit über den Entwurf vor der Kabinettsabstimmung und stellt die Forderung nach strukturellen Reformen der von der SPD kritisierten Kürzungslogik gegenüber. Anders als der VDAB konzentriert sich der Bericht auf die politische Finanzierung und die drohende Finanzlücke der Pflegeversicherung.ZDFheute: „Kinderlose sollen künftig höhere Beiträge für Pflege zahlen“ (30.09.2026)Der Artikel berichtet über den Kabinettsbeschluss, höhere Beiträge für Kinderlose und die geplante Strukturkommission. Er bestätigt den Zusammenhang zwischen kurzfristiger finanzieller Stabilisierung und langfristiger Neuordnung, behandelt aber vor allem die Einnahmeseite und politische Kompromisse statt der wirtschaftlichen Folgen für ambulante Dienste.Übereinstimmung besteht darin, dass der Entwurf die Finanzlage der Pflegeversicherung kurzfristig ordnen soll und eine weitergehende Strukturreform folgen muss. Offen bleibt, ob die geplanten Änderungen die ambulante Versorgung tatsächlich stabilisieren oder den Kostendruck bei Diensten und Pflegebedürftigen erhöhen.