Rentenreform: 46 Ökonomen warnen vor Änderungen an Rente mit 63

heute 13:13 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

46 Ökonomen appellieren an die Bundesregierung, die Empfehlungen der Rentenkommission als Gesamtpaket zu behandeln. Besonders umstritten ist die geplante Neuregelung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren vor der Kabinettssitzung am Mittwoch.

Übergabe des Berichts der Rentenkommission (Archiv)
Übergabe des Berichts der Rentenkommission (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

46 deutsche Ökonomen warnen die Bundesregierung davor, die Empfehlungen der Rentenkommission vor der entscheidenden Kabinettssitzung am Mittwoch wieder aufzuschnüren. In einem Aufruf wenden sie sich besonders gegen Überlegungen, das geplante Auslaufen der abschlagsfreien „Rente mit 63“ erneut zu ändern.Zu den Unterzeichnern gehören die Co-Vorsitzende der Rentenkommission, Constanze Janda, sowie die Vorsitzende des Sachverständigenrats, Monika Schnitzer.Ökonomen fordern GesamtpaketAuch Clemens Fuest vom Ifo-Institut, Martin Werding von der Ruhr-Universität Bochum, Jörg Rocholl von der ESMT Berlin und Moritz Schularick vom Kiel Institut haben den Appell unterzeichnet.

Darin bezeichnen die Wissenschaftler die Empfehlungen der Kommission als „konsistentes Bündel von Maßnahmen“.Änderungen beim Renteneintritt, ein höherer Nachhaltigkeitsfaktor, die Einbeziehung weiterer Gruppen und eine gesetzliche Kapitalrente könnten ihre stabilisierende Wirkung nach Einschätzung der Unterzeichner nur gemeinsam entfalten.Streit um abschlagsfreie FrührenteNach Daten der Rentenversicherung profitierten von der abschlagsfreien Frührente häufiger Besserverdienende, gesündere Menschen und Männer. Die Rentenkommission will stattdessen gezielter Menschen unterstützen, die ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können, sowie Rentner, deren Rente trotz vieler Beitragsjahre nicht zum Lebensunterhalt reicht.Die Ökonomen warnen deshalb vor einer Änderung einzelner Bestandteile ohne Ersatz. „Wer einzelne Bausteine streicht, muss einen wirksamen Ersatz nennen.

Andernfalls fällt das gesamte Konzept zusammen“, heißt es in dem Aufruf.Kabinett berät über RentenpläneDie Bundesregierung steht damit vor einer Grundsatzentscheidung über die weitere Ausgestaltung der Rentenreform. Neben dem Zugang zur abschlagsfreien Altersrente geht es um die langfristige Stabilisierung der gesetzlichen Rentenversicherung.
Die Warnung der 46 Ökonomen fällt in eine Phase, in der die Bundesregierung die Empfehlungen der Rentenkommission politisch in ein Gesetz überführen muss. Im Mittelpunkt steht die abschlagsfreie Altersrente nach 45 Versicherungsjahren, die häufig als „Rente mit 63“ bezeichnet wird. Für jüngere Jahrgänge liegt das abschlagsfreie Eintrittsalter wegen der schrittweisen Anhebung des Rentenalters bereits höher; die umgangssprachliche Bezeichnung beschreibt daher nicht mehr für alle Betroffenen den tatsächlichen Rentenbeginn.Die Kommission verbindet mehrere Elemente: längere Erwerbszeiten, einen veränderten Nachhaltigkeitsfaktor, die Einbeziehung zusätzlicher Beitragszahler und eine kapitalgedeckte Ergänzung.

Der Appell der Wissenschaftler beruht auf der Einschätzung, dass diese Bausteine nur gemeinsam wirken.

Ein isolierter Verzicht auf die geplante Änderung beim Renteneintritt würde deshalb nach ihrer Argumentation entweder zusätzliche Einsparungen oder eine andere soziale Ausgestaltung erforderlich machen.Politischer Streit über Kosten und GerechtigkeitDie Debatte hat zwei Ebenen.

Finanzpolitisch geht es um die langfristige Stabilisierung von Beiträgen und Rentenniveau angesichts einer alternden Bevölkerung.

Sozialpolitisch steht die Frage im Raum, ob eine pauschale Regelung tatsächlich jene erreicht, die wegen gesundheitlicher Belastungen nicht länger arbeiten können.

Als mögliche Alternativen werden höhere Mindestversicherungszeiten, Übergangsfristen und gezielte Härtefallregelungen diskutiert.Für Versicherte ist entscheidend, dass bis zu einer gesetzlichen Neuregelung die geltenden Zugangsvoraussetzungen fortbestehen.

Ein Beschluss des Kabinetts wäre zudem nur ein weiterer Schritt: Anschließend müssten Bundestag und gegebenenfalls Bundesrat über den konkreten Gesetzentwurf beraten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene FragenFrankfurter Rundschau: „Debatte um Ende von Rente mit 63: Diese Kompromisse ...“ (29.09.2026)Der Artikel bestätigt den Streit über die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren und beschreibt mögliche Kompromisse wie 46 oder 47 Beitragsjahre. Einen Schwerpunkt legt er auf Übergangsfristen und Härtefallregelungen für gesundheitlich belastete ältere Beschäftigte.n-tv: „Reformen im Überblick: So schwer wird's bei Steuer, Rente, Pflege und Haushalt“ (28.09.2026)n-tv ordnet die Rentenreform als zentrales Herbstprojekt der Bundesregierung ein und hebt die weiterhin offene Entscheidung zur Rente mit 63 hervor. Anders als der Appell der Ökonomen betrachtet der Beitrag das Thema vor allem im Zusammenhang mit dem gesamten Regierungsprogramm und dem noch ausstehenden Gesetzentwurf.Übereinstimmung besteht darin, dass die Regelung zum vorgezogenen Renteneintritt politisch umkämpft ist. Offen bleiben insbesondere die konkrete Übergangsfrist, mögliche Ausnahmen für belastende Berufe und die Ausgestaltung eines Ersatzes, falls einzelne Kommissionsvorschläge geändert werden.

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