Umfrage: 81 Prozent sehen KI als Gefahr für die Demokratie

heute 10:58 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Eine neue Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und ntv zeigt, dass eine große Mehrheit der Deutschen KI als potenzielle Gefahr für die Demokratie einstuft. Gleichzeitig belegt eine Bitkom-Erhebung, dass erstmals die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland KI einsetzt und sie als zentrale Zukunftstechnologie betrachtet.

Computer-Nutzer (Archiv)
Computer-Nutzer (Archiv)
via dts Nachrichtenagentur

Eine große Mehrheit der Deutschen sieht durch den möglichen Missbrauch Künstlicher Intelligenz Gefahren für die Demokratie. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und ntv halten 81 Prozent der Befragten die Gefahr, dass KI missbraucht und dadurch die Demokratie gefährdet wird, für sehr oder eher groß.Breite Sorge um demokratische StabilitätNur 16 Prozent schätzen diese Gefahr als eher oder sehr gering ein. Besonders groß ist die Sorge bei Menschen über 45 Jahren: Von ihnen sehen 84 Prozent eine sehr oder eher große Gefahr, bei den 18- bis 44-Jährigen sind es 74 Prozent. Frauen bewerten das Risiko mit 83 Prozent etwas häufiger als groß als Männer mit 78 Prozent.Noch größer ist die Sorge vor KI-generierten oder manipulierten Inhalten. 89 Prozent der Befragten machen sich große oder sehr große Sorgen, künftig Bilder, Videos oder Nachrichten, die durch KI erzeugt oder manipuliert wurden, nicht mehr zuverlässig von echten unterscheiden zu können.

Besonders ausgeprägt ist diese Sorge bei den 18- bis 29-Jährigen, von denen 97 Prozent große oder sehr große Sorgen äußern.Unterschiedliche Erwartungen an KI in der ArbeitsweltMit Blick auf die Arbeitswelt macht sich unterdessen jeder fünfte Erwerbstätige in Deutschland Sorgen, dass KI in den kommenden fünf Jahren einen wesentlichen Teil seiner heutigen beruflichen Aufgaben übernehmen könnte. 20 Prozent der Erwerbstätigen haben hierzu große oder sehr große Sorgen, 44 Prozent weniger große und 36 Prozent gar keine Sorgen.Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen Männern und Frauen.

Während sich 25 Prozent der erwerbstätigen Frauen große oder sehr große Sorgen vor einer Übernahme ihrer beruflichen Aufgaben durch KI machen, sind es bei den Männern nur 15 Prozent. 46 Prozent der Männer machen sich dagegen überhaupt keine Sorgen, bei den Frauen sind es lediglich 24 Prozent. Auch beim Alter gibt es Unterschiede: Von den Erwerbstätigen ab 45 Jahren machen sich 23 Prozent große oder sehr große Sorgen, bei den 18- bis 44-Jährigen sind es 16 Prozent.KI setzt sich in deutschen Unternehmen durchDerweil nimmt die Nutzung von KI in den Unternehmen in Deutschland deutlich zu. Nach einer Erhebung des IT-Branchenverbandes Bitkom setzt erstmals die Mehrheit der Unternehmen KI ein. 57 Prozent nutzen demnach bereits entsprechende Anwendungen.

Vor einem Jahr waren es erst 36 Prozent, vor zwei Jahren gerade einmal 20 Prozent. Weitere 38 Prozent planen oder diskutieren aktuell den Einsatz. Nur noch vier Prozent geben an, KI sei für sie kein Thema; im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 17 Prozent und vor zwei Jahren bei 41 Prozent.Zugleich sehen sich die meisten Unternehmen beim Thema KI noch am Anfang. Kein Unternehmen, das KI im Einsatz hat, gibt an, das Potenzial vollständig zu nutzen, nur drei Prozent meinen, dass sie das Potenzial eher stark ausnutzen. 28 Prozent schätzen, dass sie die Möglichkeiten von KI wenig ausschöpfen, 59 Prozent sogar überhaupt nicht.KI als Chance und Risiko zugleichGrundsätzliche Zweifel an der Technologie gibt es in der Wirtschaft kaum noch. 91 Prozent der Unternehmen halten KI für die wichtigste Zukunftstechnologie, nach 81 Prozent im Vorjahr und 73 Prozent im Jahr 2024. Nur noch acht Prozent sehen darin einen Hype, der massiv überschätzt wird; 2024 war es mit 26 Prozent noch rund jedes vierte Unternehmen.Mit Blick auf das eigene Unternehmen sehen 80 Prozent KI überwiegend als Chance, 18 Prozent eher als Risiko. Kein einziges Unternehmen hält KI für weit überwiegend riskant, und ebenso keines glaubt noch, dass KI keinen Einfluss auf das eigene Geschäft hat.Verunsicherung über die eigenen ZukunftsaussichtenZugleich zeigt die Befragung eine große Verunsicherung rund um KI. 61 Prozent meinen, dass Unternehmen ohne KI-Nutzung keine Zukunft haben, nach 51 Prozent im Jahr 2025. 56 Prozent vertreten die Ansicht, Deutschland habe bei KI den Anschluss verloren. 34 Prozent sorgen sich, dass KI die Existenz ihres Unternehmens gefährdet, nach 23 Prozent im Vorjahr. 31 Prozent erwarten, dass KI ihr Geschäftsmodell verändern wird, nach 24 Prozent im Jahr 2025.Unter den Unternehmen, die KI bereits einsetzen, sagt ein Drittel, es tue dies vor allem aus Angst, andernfalls den Anschluss zu verlieren.

Die Befunde zeigen damit eine Mischung aus hohem Zukunftsvertrauen in die Technologie und spürbarer Unsicherheit über Tempo und Richtung des Wandels.
Die aktuellen Umfragen von Forsa und Bitkom zeigen eine ausgeprägte Ambivalenz im Umgang mit Künstlicher Intelligenz in Deutschland. In der Bevölkerung dominiert die Sorge, dass KI missbraucht werden und demokratische Prozesse beeinträchtigen könnte. Gleichzeitig wächst in der Wirtschaft die Überzeugung, dass ohne KI kaum noch Zukunftsfähigkeit besteht und dass die Technologie zentrale Bedeutung für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation hat.Gesellschaftliche Sorgen und demokratische RisikenDie hohe Zustimmung zu Aussagen über Gefahren für Demokratie und zu der Angst vor manipulierten digitalen Inhalten verweist auf ein tiefes Misstrauen gegenüber der Unterscheidbarkeit von echten und künstlich generierten Informationen.

Besonders junge Menschen äußern sehr große Sorgen, künftig Bilder, Videos und Nachrichten nicht mehr zuverlässig einordnen zu können.

Damit steht nicht nur persönliche Mediennutzung, sondern auch die Glaubwürdigkeit politischer Kommunikation und Wahlkämpfe unter Druck.Für Leser bedeutet dies, dass kritische Medienkompetenz und transparente Kennzeichnung von KI-Inhalten weiter an Bedeutung gewinnen.

Gleichzeitig entsteht ein Erwartungsdruck gegenüber Politik, Plattformen und Medien, Schutzmechanismen gegen Deepfakes, Desinformation und manipulative KI-Werkzeuge zu entwickeln und verbindlich zu regulieren.Wirtschaftlicher Aufbruch unter hohem AnpassungsdruckIn den Unternehmen deutet die starke Verbreitung von KI-Anwendungen und die sehr hohe Einstufung als wichtigste Zukunftstechnologie auf einen technologischen Aufbruch hin. Dass viele Betriebe ihr eigenes KI-Potenzial noch als kaum ausgeschöpft bewerten, zeigt aber, wie früh die Entwicklung noch ist. Die gleichzeitige Sorge um die eigene Existenz und der Eindruck, man müsse KI vor allem aus Angst vor dem Abgehängtwerden einführen, verdeutlichen einen hohen Anpassungsdruck.Für Beschäftigte entstehen Chancen durch effizientere Prozesse und neue Tätigkeitsfelder, aber auch Unsicherheit über künftige Rollen und Qualifikationsanforderungen.

Die in der Umfrage sichtbaren Unterschiede zwischen Altersgruppen und Geschlechtern legen nahe, dass Aus- und Weiterbildungsangebote, klare Regeln für verantwortlichen KI-Einsatz und transparente Kommunikation im Betrieb entscheidend sind, um Ängste zu reduzieren und die Technologie als Chance nutzbar zu machen.

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